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19.07.2010, 17:47 Uhr | WZ, Norbert Jacobs Übersicht | Drucken
Monheim: Ulla Hahn kommt zurück ins Elternhaus

Die in Monheim aufgewachsene Schriftstellerin ist die Vorsitzende des Kuratoriums für das im Haus ihrer Kindheit geplante Lese- und Sprachförderungszentrum.

 „Auch aus einem bescheidenen Winkel kann man in den Himmel springen“, sagt sie und strahlt. Ulla Hahn – eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Gegenwartsautorinnen. Aufgewachsen ist die Wahl-Hamburgerin in Monheim. Dorthin kehrte sie jetzt zurück – im Schelmenturm sitzt sie an diesem späten Nachmittag allerdings in einer ganz neuen Funktion an einem Tisch und steht der Presse Rede und Antwort: Vorsitzende des Kuratoriums „Ulla-Hahn-Haus“. Das Gremium hatte kurz vorher erstmals getagt. Nun geht das Projekt auf die Zielgerade.


Der Friedrich-Bödecker-Kreis ist nach dem Pädagogen Friedrich Bödecker benannt. Der Niedersachse hatte schon in den 1920er-Jahren die Idee, Autoren in Schulen einzuladen. Inzwischen gibt es in fast jedem Bundesland einen Landesverband, der sich der Leseförderung widmet.

„Auch wenn einem die Bildung im Elternhaus nicht in die Wiege gelegt wird, kann man trotzdem seinen Weg gehen. Dafür soll dieses Haus stehen“, schwärmt die Schriftstellerin und blickt in ihre eigene Kindheit zurück. An der Neustraße 2 ist sie in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen.

Nun soll der alte Backsteinbau samt der zweiten Haushälfte, inzwischen in städtischem Besitz, zu einem Lese- und Sprachförderungszentrum ausgebaut werden. Die Federführung hat der Friedrich-Bödecker-Kreis übernommen. Er hat sich seit Jahrzehnten auf die Fahnen geschrieben, Kindern den Kontakt mit Schriftstellern zu ermöglichen. Da trifft es sich gut, dass der NRW-Sitz des Bödeker-Kreises seit einigen Jahren in Monheim ist.

Zwei Säulen hat das Projekt: Sprachförderung für benachteiligte Kinder und Förderung der Lesehungrigen. „Die Kinder sollen Spaß am Lesen bekommen. Oft ist das der Grundstein dafür, selbst mit dem Schreiben zu beginnen“, sagt Christiane Lorenz, Vorsitzende des Bödecker-Kreises NRW.

Das Monheimer Modellprojekt wird später auf andere Städte übertragen

Der Kontakt mit Kindergärten und Schulen wird gesucht. Dafür ist eine halbe Stelle für eine pädagogische Fachkraft vorgesehen. Die soll dann Konzepte erarbeiten. Monheim ist ein Pilotprojekt. Die Erfahrungen sollen später auch auf andere Städte übertragen werden.

Zunächst ist die Finanzierung für das „Ulla-Hahn-Haus“ auf zwei Jahre begrenzt. Aus der Sparkassen-Stiftung fließen dafür insgesamt 80.000 Euro, aus einem Landestopf 40.000 Euro. Die Stadt selbst hat 200.000 Euro für den Umbau des Doppelhauses an der Neustraße im Haushalt bereit gestellt. Das Gebäudemanagement und der beauftragte Architekt gehen davon aus, dass insgesamt 460.000Euro benötigt werden. „Auch hier signalisiert das Land finanzielle Unterstützung“, sagt Bürgermeister Daniel Zimmermann.

Auch Ulla Hahns Ehemann Klaus von Dohnanyi sitzt im Kuratorium

Er sitzt ebenso im Kuratorium wie Ulla Hahns Ehemann Klaus von Dohnanyi. Außerdem dabei: CDU-Fraktionschef Tim Brühland, Beate Möllers (Abteilung Kultur der NRW-Staatskanzlei), Kinderbuchautor Christian Linker, Literaturdidaktin Ingrid Hintz von der Uni Hildesheim sowie Anne Ackers-Weiss und Frank Meißner, Vorstandsmitglieder der Bödecker-Stiftung. Zum Teil hatten Stadtverwaltung und Politik die Mitglieder vorgeschlagen, zum Teil der Bödecker-Kreis.

Es könnte durchaus sein, dass Ulla Hahn selbst auch im Rahmen des Projektes mal in eine Schule geht, um vorzulesen und neugierig auf Bücher zu machen. „Warum denn nicht?“, sagt die 65-Jährige auf WZ-Anfrage. „Das verborgene Wort“ – so der Titel ihres erfolgreichsten Romans – soll für die jungen Menschen sichtbar werden.


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